Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist wie viele Gemeinden im Landkreis München vom Kiesabbau betroffen. Nachdem der Gemeinderat den Antrag zur Ausbeutung einer Kiesgrube vor Weihnachten abgelehnt hatte, liegt die Entscheidung jetzt beim Landratsamt München. Um mehr über Kiesabbau und Baustoffrecycling zu erfahren, lud der Grüne Ortsverband Höhenkirchen-Siegertsbrunn am Freitag, 19. Februar Christian Hierneis, MdL und umweltpolitischer Sprecher der Grünen und Daniel Rank, Projektkoordinator des URGE Projekts Deutschland zu einer Informationsveranstaltung über Kiesabbau und nachhaltige Kreislaufwirtschaft im Baugewerbe ein. 
Christian Hierneis forderte in seinem Vortrag feste Recyclingquoten für Baustoffe wie Beton. Bevor immer weiter Kies abgebaut wird braucht es eine Bedarfsanalyse, wie viel Kies als Grundlage für Beton überhaupt gebraucht werde. „Alle werben mit regionalem Abbau, aber es gibt keine Untersuchung, wie viel Kies wir in der Region überhaupt brauchen. Wir haben einen totalen Wildwuchs im Kiesabbau.“ Weiter sagte er: „Im Moment hat derjenige einen Wettbewerbsnachteil, der Recycling-Rohstoffe verwendet. Es muss gesetzliche Regeln geben, die für alle gleich sind.“

Daniel Rank vom Kommunalreferat der Stadt München informierte über das URGE-Pilotprojekt zum Baustoffrecycling. Auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne entstehen beim Abriss der Gebäude 1,2 Millionen Tonnen Bauschutt, rund die Hälfte kann für neue Wohnungen wiederverwertet werden. „Damit sparen wir allein 93.000 LKW-Fahrten mit 3,3 Millionen Kilometern“, sagte Rank. Recycling von Beton sei nicht nur wichtig, um Rohstoffe wie Kies zu sparen, auch die Entsorgung auf Deponien oder die Verfüllung alter Kiesgruben sei teuer und umstritten. Problematisch sei aber, dass in vielen Ausschreibungen Recyclingbaustoffe noch nicht berücksichtigt würden. Die Bauherren hätten keine Erfahrungen und auch keine Informationen zu Recyclingbeton, deshalb griffen sie auf die bewährten Neu-Materialien zurück. 

Der grüne Landtagsabgeordnete Hierneis forderte, dass die öffentliche Hand bei eigenen Bauprojekten konsequent auf Baustoffrecycling setzt. „Es muss ein totales Umdenken erfolgen.“  Er begrüßte den steigenden Druck durch die Bevölkerung, um die ständige Ausweisung neuer Kiesgruben zu verhindern. Außerdem forderte er die Behörden auf, die den Kiesabbauern auferlegten Vorgaben und Einschränkungen konsequenter und rigoroser zu überwachen. Damit stieß er bei den Teilnehmer:innen des Webinars auf große Zustimmung. „Ich bin ratlos“, sagte ein Anwohner aus Oberhaching. Die Kiesindustrie verletze etliche Regeln und als Bürger könne man nichts dagegen tun. Janine Schneider vom grünen Ortsverband Höhenkirchen-Siegertsbrunn, die die Veranstaltung organisiert hatte, sagte abschließend: „Wir sehen, dass schon Techniken und Alternativen vorhanden sind, allein der Wille und das Wissen für die Umsetzung fehlt noch zu oft“. 

 

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