Der geplante Kiesabbau am Wächterhof und nahe der Leonhardi-Kirche trifft im Gemeinderat über alle Parteigrenzen hinweg auf massive Ablehnung. Allein: Als kommunales Gremium können wir nichts tun, um den Abbau zu verhindern. Egal, wie sehr sich der Gemeinderat auf die Hinterbeine stellt, das übergeordnete Landratsamt hat bereits angekündigt, den Abbau zu genehmigen, eine Klage vor Gericht hat keine Aussicht auf Erfolg.

Kiesabbau ist ein so genanntes „privilegiertes Vorhaben“, da es sich um einen limitierten Rohstoff handelt, der unter anderem für die Betonherstellung wichtig ist. Zugleich besteht ein riesiger Bedarf, Bauschutt zu entsorgen.

Der Bauunternehmer Markus Baumgartner aus Hohenbrunn plant folgendes:
Gegenüber des Gewerbegebiets am Wächterhof wird über 12-15 Jahren auf ca fünf Hektar (das entspricht sieben Fußballfeldern oder 50.000 Quadratmetern) bis zu einer Tiefe von 25 Metern Kies abgebaut und die Grube anschließend mit Bauschutt verfüllt. Der Abbau erfolgt in drei Abschnitten, das heißt, das erste Drittel wird ausgebeutet und verfüllt, bevor der nächste Teil angepackt wird. Der Acker kann anschließend wieder landwirtschaftlich genutzt werden, ein Drittel wird 20 Jahre hinweg mit einer Blühwiese bepflanzt.
Nach Abschluss der Ausbeutung der Wächterhof-Grube soll ein zweites Gebiet in der Nähe der Leonhardikirche aufgerissen werden. Hier hat der Bauunternehmer nach der massiven Kritik aus dem Gemeinderat zwar zugesagt, den Antrag vorerst zurückzuziehen, das heißt aber nicht, dass er die Pläne fallengelassen hat.
Kiesabbau ist laut und staubig. Ab kurz nach 6 Uhr morgens laufen die Maschinen, drei Laster pro Stunde (also sechs Fahrten) liefern Schutt an bzw. holen Kies ab. Die Anwohner an der Luitpoldstraße (und später im Ort und in Egmating und angrenzenden Orten) müssten also mit umfangreicher Lärmbelästigung rechnen. Der Bauschutt wird aus München angefahren, der Kies geht zur Weiterverarbeitung nach Bruckmühl. Zwar hat Baumgartner betont, seine Laster nicht durch den Ort fahren zu lassen, vertraglich festlegen lässt sich dies aber nicht.

Für uns Grüne ist es frustrierend, dass man nichts gegen den Kiesabbau unternehmen kann. Für uns am Ort entstehen nur Nachteile. Hier rächt sich, dass die bundesweite Forschung und Entwicklung im Bereich Bauschutt-Recycling jahrzehntelang verschlafen wurde. Statt Rohstoffe wiederzuverwerten, werden immer weiter neue Vorkommen ausgebeutet. Zur Staub- und Lärmbelastung durch den Kiesabbau kommt ein massives Verkehrsaufkommen (mit den verbundenen CO2-Emissionen), Eingriffe ins Grundwasser (durch die Berieselung während des Abbaus) und eine erhebliche Beschädigung des Landschaftsbildes. Wir Grüne sehen deshalb die Bundes- und Landesregierungen in der Pflicht, gesetzliche Regelungen für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu schaffen. Es braucht feste und umfangreiche Recyclingquoten für Bauschutt, um eine weitere Ausbeutung des Rohstoffes zu verhindern. Dazu kommt: Die Zement- und Betonproduktion verursacht acht Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes und liegt damit gleichauf mit der Belastung durch den globalen Flugverkehr!

Zudem steht der Gemeinderat vor einem Dilemma: Lehnt er den Kiesabbau ab, wird er vom Landratsamt überstimmt. Bleibt also nur, dem Rat des Landkreises zu folgen und den Abbau wider der eigenen Überzeugung zu genehmigen. So kann der Weg für Verhandlungen freigemacht werden mit dem Ziel, den Bauunternehmer darauf festzunageln, die ökologischen Auswirkungen und Eingriffe in das Landschaftsbild sowie die Belastungen für die Gemeinde zu gering wie möglich zu halten.

 

Für die Fraktion: Dorothee Stoewahse

Die namentlich gekennzeichneten Beiträge stellen eine Auswahl der Tagesordnungspunkte dar und spiegeln die subjektive Sicht der schreibenden Räte und Rätinnen wieder. Die weitere Berichterstattung findet sich in der Tagespresse und im Gemeindeblatt.

 

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