Aufstellung eines Bebauungsplans für die Waldsiedlung

Wie kann der Charakter einer Waldsiedlung zwischen Englwartinger-/Wagerstraße erhalten bleiben bei gleichzeitiger Nachverdichtung? Dieser Frage stellte sich der Bau- und Liegenschaftsausschuss in der aktuellen Sitzung erneut. Klar ist, es gibt Bedarf an Nachverdichtung für die Kinder und Enkelkinder der bisherigen Anwohner:innen. Gleichzeitig soll die Gegend ihren grünen und offenen Charakter behalten können und nicht zu einer massiv bebauten Wohnsiedlung werden. Im Oktober 2020 konnten viele Bürger:innen in einer eigens dafür vorgesehenen Versammlung ihre Bedenken und Anregungen vortragen. Neben viel Lob für die Bestrebungen, eine umsichtige Nachverdichtung zu regeln, meldeten einige auch Bedenken an. Besonders die Frage des Raumgewinns durch Dachgauben wurde des öfteren Angesprochen. Daher beschäftigte dieses Thema auch den Bau- und Liegenschaftsausschuss.

Dachgauben bieten eine kostengünstige und flächenschonende Möglichkeit, mehr Wohnraum zu gewinnen. Doch bis zu wie viel Grad Dachneigung sind Gauben zu erlauben? Und ab wann bieten sie keinen relevanten Raumgewinn mehr? Denn unter einer Dachneigung von 32° ist bei einer einzelnen Dachgaube kein großer Zugewinn an Wohnraum gegeben. Um tatsächlich mehr Wohnraum zu schaffen, müsste eine durchgehende, längere Dachgaube errichtet werden. Herr Prells empfahl dem Ausschuss, Dachgauben unter einer Dachneigung von 32° aus stilistischen Gründen nicht zuzulassen, da solche Gauben den Nachteil haben, das Dach völlig zu dominieren.

Das Problem: Viele Bestandsbauten haben eine wesentlich geringere Dachneigung. Und einige haben bereits bei bis zu 28 Grad Neigung Gauben eingebaut.

Da sich Bestandsbauten von Neubauten in einem Bebauungsplan nicht trennen lassen, ist so eine Entscheidung immer unter Abwägung alles Szenarien zu fällen. Daher bat der Bau- und Liegenschaftsausschuss Herrn Prells vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum sowohl zu prüfen, welche Auswirkungen eine Anhebung der erlaubten Wandhöhe haben würde, als auch, wie viele Bestandsbauten von einer Dachneigung unter 32 bzw. 28 Grad betroffen sind.

Weiter bat Janine Schneider im Namen der Grünen Fraktion darum, im Bebauungsplan festzuhalten, dass Schotter- bzw. Steingärten nicht zulässig sind und dass Zäune keine blickdichten durchgängigen „Wände“ werden, sondern nur in Form von Zäunen wie Staketen- oder Maschendrahtzäunen zugelassen werden.

Als letztes wurde Herr Prells beauftragt, geeignete Standorte für Bäume und Ruhezonen im Straßenbild zu überprüfen. Für eine Siedlung mit Tempo 30 sind die Straßen sehr breit und durch ausladende Kreuzungen geprägt. Dies lädt ein zu einer erhöhten Fahrgeschwindigkeit, welche Fußgänger und spielende Kinder gefährden. Daher soll durch Baumpflanzungen an unproblematischen Stellen die Straße optisch dem Tempolimit entsprechen und durch ergänzende Bänke auch zu Begegnungsstätten werden.

Einig war sich der Ausschuss darin, an der GRZ (Grundflächenzahl) von 0,2 festzuhalten, was einer Bebauung von 20% des Baugrunds entspricht. Dafür dürfen Außenanlagen wie Terrassen die GRZ um 15% statt 10% überschreiten. Um für gleichmäßige Wohnraumbebauung zu sorgen, soll bei einer Grundstücksteilung die Berechnung über die Gesamtfläche vollzogen werden, so dass alle Teilbesitzer:innen die gleiche Baufläche haben.

Da viele Punkte neu in den Bebauungsplan eingefügt werden müssen und manches, wie z.B. die Frage der Dachgauben, noch genauer erläutert werden muss, wurde der Plan nicht freigegeben, sondern soll in der nächsten Sitzung erneut vorgelegt werden.

 

Grundsätzliche Überlegungen zum Neubau des Kindergartens Pfiffikus

Ein weiterer Punkt war der Kindergarten Pfiffikus, welcher dringend neu gebaut werden soll. Der Bau- und Liegenschaftsausschuss wurde daher gebeten, Anmerkungen zu den Grundvoraussetzungen eines Bebauungsplans zu machen. Zur Orientierung diente die Vorlage eines älteren architektonischen Entwurfs mit 16 (angedacht sozial verträglichen) Wohnungen und massiver Bebauung.

Unsere 2. Bürgermeisterin Luitgart Dittmann-Chylla bekräftigte die Aussage von Bürgermeisterin Mindy Konwitschny, dass “der vorliegende Entwurf völlig neu gedacht und geplant werden muss.“ Eine gute Neuplanung ist unumgänglich.

Den von der SPD erbrachten Vorschlag, überdachte Fahrradstellplätze mit Platz für Fahrradanhänger für die Eltern einzuplanen, ergänzte Janine Schneider und forderte leicht zugängliche und sichere Fahrradstellplätze für die geplanten Wohnungen ebenfalls oberirdisch einzuplanen. Denn nur wer schnell und unkompliziert an sein Fahrrad kommt, wird es auch nutzen. Eine Abstellkammer in Tiefgarage oder Keller ist nicht zielführend.

Ganz klar sprachen sich auch alle Rät:innen dafür aus, größere Außenflächen für die Kinder vorzuhalten. Der beständige Rückgang von Spiel- und Freiflächen an Kindertageseinrichtungen darf einfach nicht so weiter gehen. Auch gegen eine massive Bebauung sprachen sich alle aus. In Augen von Janine Schneider sollte auch eine Fassadenbegrünung teil des Bebauungsplans sein, sie bietet neben dem Vorteil der klimatischen Verbesserung auch einen Weg, die Wuchtigkeit von Wandhöhen etwas zu nehmen. Die Reduzierung der bebauten Fläche, im Vergleich zum vorgelegten Entwurf, ist dennoch notwendig. Auch wenn dies bedeutet, dass dafür die Anzahl der Wohnungen sinken muss. Ein Vorteil: Es würde auch das größere Verkehrsaufkommen an der Englwartinger Straße etwas reduzieren. Der Verkehr an dieser sensiblen Stelle wird uns sicher weiter beschäftigen.

Die in den Raum gestellte Frage, ob eine große Tageseinrichtung ausgerechnet an dieser Stelle nötig ist, wurde von Seiten der Verwaltung bestätigt. Das angrenzende Wohngebiet hat sonst keinerlei Kinderbetreuungseinrichtungen in unmittelbarer Nähe und vollzieht in nächste Zeit einen Generationenwechsel. Außerdem hat die AWO mit der katholischen Kirche als Grundstücksbesitzer einen guten und verständigen Partner in der Neugestaltung.

 

Startschuss für die ersten Sanierungsarbeiten an der “Alten Apotheke”

Einvernehmlich beschloss der Bau- und Liegenschaftsausschuss die Vergabe für die ersten Arbeiten zur Sanierung der Alten Apotheke. Erfreulich ist, dass vor allem regionale, aber auch erfahrene Firmen den Zuschuss erhalten haben. Außerdem liegen die Gesamtkosten der Angebote unter den veranschlagten Kosten.

 

 

Für die Fraktion: Janine Schneider

Die namentlich gekennzeichneten Beiträge stellen eine Auswahl der Tagesordnungspunkte dar und spiegeln die subjektive Sicht der schreibenden Räte und Rätinnen wieder. Die weitere Berichterstattung findet sich in der Tagespresse und im Gemeindeblatt. Öffentliche Beschlüsse werden bald auch im Bürgerinformationssystem einsehbar sein.

 

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